Materie
Meine fotografische Reise begann vor dreißig Jahren in der Dunkelkammer. Schwarzweiß-Fotografie war von Anfang an meine Leidenschaft: reduzierte Formen und ehrliche Kontraste. Besonders fasziniert hat mich die Körnung – dieses feine Rauschen, das jedem Bild Leben einhaucht und ihm eine nahezu haptische Tiefe verleiht. Stundenlang entwickelte ich Filme, druckte auf Barytpapier und erlebte, wie Licht und Chemie gemeinsam Bilder entstehen lassen.
Dieses Projekt ist eine fotografische Auseinandersetzung mit Rohmaterialien und deren Verwandlung. Es zeigt, wie der Mensch Rohstoffe wie Holz, Metall oder Stein formt und ihnen dadurch eine neue Geschichte verleiht. Jedes dieser Materialien trägt Spuren der Zeit, Erinnerungen und eine eigene Sprache in sich.
Gleichzeitig bildet das Projekt eine Brücke zwischen gestern und heute, zwischen der Magie der Dunkelkammer und den Möglichkeiten moderner Technik. Die ACROS-Filmsimulation verbindet beides. Sie bewahrt die Ästhetik der klassischen Schwarzweiß-Fotografie und verleiht den Aufnahmen zugleich eine besondere Materialität. Besonders reizte mich die Idee, die Materialien miteinander „sprechen“ zu lassen. Aus diesem Grund entstand die Serie als Diptychon: Metall reflektiert Marmormuster, geschnitztes Holz korrespondiert mit behauenem Stein.


Werkstätten der Materie
In einer Drechslerei beobachtete ich, wie aus Edelhölzern – Eibe, Flieder, Eiche – neue Formen entstanden. Das Holz drehte sich, und nach und nach entstanden reine Kurven, zarte Linien und Volumen, die zu atmen schienen. Meine Fotos sollten diese stille Metamorphose festhalten: wie aus totem Holz lebendige Kurven werden, wie Linien und Volumen plötzlich zu atmen scheinen.
In der Schmiede eines Freundes erlebte ich Metall ganz anders, mal kalt und hart, mal heiß und leuchtend, beinahe elektrisch. Die Spiegelungen, Strukturen und Funken offenbarten ein Material im ständigen Wandel. Plötzlich waren aus Alltagsgegenständen abstrakte Kompositionen geworden – glänzende Flächen, die wie fremde Planeten wirkten. Hier ging es darum, den Moment einzufangen, in dem Metall zur reinsten Form wird.
Zum Schluss stand ich vor Steinblöcken und sah mich einer reichen Mineralienwelt gegenüber. Jeder Block schien eine tausend Jahre alte Geschichte zu bergen. Jede Ader, jeder Riss erzählte von Jahrmillionen. Ich fotografierte diese Oberflächen als Fragmente der Zeit, bis sie zu abstrakten Landschaften wurden, in denen sich Unendliches und Intimes berührten.


Filmsimulationen als Werkzeug
Um diese Welten einzufangen, brauchte ich eine Technik, die mit meinem analogen Gedächtnis in Dialog treten und gleichzeitig neue Horizonte eröffnen konnte. Die FUJIFILM X-E5 war für mich die naheliegende Wahl. Ihr Design und die Einstellräder erinnern mich an meine Anfänge. Vor allem aber ermöglichen mir die benutzerdefinierten Einstellungen und die Filmsimulationen, meine Vision mit einer einzigen Geste anzupassen. Ich kann nahtlos zwischen den Fujifilm-Filmsimulationen und meinen eigenen, in den FS1- bis FS3-Einstellungen gespeicherten Simulationen wechseln, ohne meinen kreativen Fluss zu unterbrechen.
Für dieses Projekt war die Filmwahl klar: ACROS, in der Version ACROS+Gelbfilter. Ich fand darin eine feine Balance, eine Intensität, die dem Thema Leben einhaucht. Während ACROS+Rotfilter bis ins Extrem dramatisiert und den Himmel verhärtet, bot mir ACROS+Gelbfilter feinere Nuancen und einen subtilen Kontrast, der die Textur von Holz, Metall oder Stein besonders gut zur Geltung bringt. Es ist eine Poesie der Grautöne, ein Schwarzweiß, in dem jedes Material seine einzigartige Stimme behält.


Wie früher in der Dunkelkammer experimentierte ich mit den Einstellungen. Der COLOR-CHROME-EFFEKT und COLOR-CHROME-FX-BLAU erweitern das Farbspektrum, bereichern die Materialien und verstärken deren Tiefe.
Ich passte die TONKURVE an: Die LICHTER reduzierte ich leicht (H +1) und betonte die SCHATTEN (S +3). So entstand mehr Kontrast, ohne dass Details verloren gingen. Eine dezent hinzugefügte Körnung (KÖRNUNGSEFFEKT: Schwach/Groß) verlieh den Bildern schließlich jene Lebendigkeit, die ich von analogen Aufnahmen kenne.
Vom Rohstoff zum Bild
Dieses Projekt handelt von Verwandlung: vom Handwerker, der das Material formt, und von der Fotografin, die seine verborgene Schönheit sichtbar macht. Es verbindet zwei Epochen – die handwerkliche Tradition mit digitaler Präzision. Doch stets geht es um dasselbe: Materie erfahrbar zu machen.
Ich wollte keine Dokumentation schaffen, sondern Bilder, die das Wesentliche einfangen: den Glanz auf Metall, die Maserung im Stein, die Wärme des Holzes. Wenn eine Holzmaserung zur Linie wird, ein Metallsplitter zum Lichtreflex oder ein Steinbruch zur Landschaft, dann ist das für mich gelungene Fotografie. Selbst digitale Fotografie bleibt ein Werk der Materie: Körnung, Kontrast, Textur, Dichte. Sie ist wie eine Brücke zwischen zwei Epochen, zwischen zwei Arten der Bildbearbeitung, aber immer mit dem gleichen Ziel: Materie sichtbar, greifbar und poetisch zu machen.


Aus Rohmaterialien entstehen abstrakte Bilder, stumme Tableaus. Die Aderung eines Steins verwandelt sich in eine innere Landschaft, eine Holzmaserung wird zur poetischen Zeile, ein Metallsplitter zum Stern. Der Handwerker formt das Material, die Fotografin enthüllt es.
Die Fotografie ist eine Hommage an Holz, Metall und Stein sowie an die kontrastreiche Maserung, die sie zum Leben erweckt.
Letztlich verfolgt sie stets dasselbe Ziel: das Unsichtbare sichtbar zu machen. Die Geste antwortet auf den Blick. Aus dieser Begegnung entsteht ein Foto, das zugleich roh und poetisch ist und in dem das Material zur Sprache kommt.
FILMSIMULATION: ACROS+GELB-FILTER
MONOCHROMATISCHE FARBE: WC-2. MG -2
KÖRNUNGSEFFEKT: SCHWACH, GROSS
COLOR CHROME EFFEKT: STARK
COLOR CHROM FX BLAU: STARK
GLATTE-HAUT-EFFEKT: AUS
WEISSABGLEICH: AUTO / R 5, B 0
DYNAMIKBEREICH: DR400
DYNAMIKBEREICH-PRIORITÄT: AUS
TONKURVE: H +1, S +3
FARBE: 0
SCHÄRFE: 0
HOHE-ISO-RAUSCHUNTERDRÜCKUNG: -3
KLARHEIT: +3