In einer Welt voller Farben lohnt es sich, bewusst auf sie zu verzichten. Fotografierst du in Schwarzweiß, richtest du deinen Blick ganz auf Licht, Komposition und die Emotionen, die du im Bild zeigen willst.
Mit der FUJIFILM X-E5 und meinem Filmrezept „Shadow Play“ streifte ich durch Sydney und erkannte schnell, wie anders die Stadt ohne Farben wirkt. Dank ACROS verwandelten sich alltägliche Szenen – ob die Fahrt mit der Fähre in die Stadt oder ein Spaziergang in Bondi – in zeitlose Momente. Das Fotografieren in Schwarzweiß zwingt dazu, das Tempo zu drosseln und genauer hinzusehen. Es schärft den Blick für das Spiel des Lichts zu verschiedenen Tageszeiten und die Formen, die die Stadt dabei annimmt.

Die Anpassungen an der Filmsimulation für mein Filmrezept zeigten sich besonders deutlich in den Porträts. Die gedämpften LICHTER (-2) und der verstärkte Kontrast in den SCHATTEN (+1) gaben dem Motiv Tiefe, ohne die sanfte Stimmung zu verlieren. Da die Farbe keine Rolle spielte, konnte ich mich ganz auf den Ausdruck, spannende Bildkompositionen und die Verbindung zwischen Motiv und Stadt oder Natur konzentrieren.



In der Serie traten rasch Kontraste hervor: der GLATTE-HAUT-EFFEKT (STARK) gegen die scharfen Konturen der Palmblätter. Das Spiel zwischen Sydneys Architektur und den verstreuten Naturinseln. Eines meiner Lieblingsbilder zeigt die Harbour Bridge, deren Silhouette die Palmen im Vordergrund sanfter erscheinen lassen. Ein Bild, das nur zu dieser Stadt passt, wo Architektur und Natur untrennbar verschmelzen.
Am meisten beeindruckte mich, wie der Sonnenuntergang, sonst warm und golden, in Schwarzweiß geheimnisvoll und dramatisch wirkte.
Nachts änderte ich meine Herangehensweise erneut. Ich reduzierte die HOHE-ISO-Rauschunterdrückung und ließ die Körnung sichtbar werden, die mit steigendem ISO-Wert stärker hervortrat. Hier spielte die ACROS-Basis ihre Stärke aus. Die Körnung erinnerte nicht an digitales Rauschen, sondern gab den Schatten Textur, Atmosphäre und Tiefe. Die Lichter der Stadt strahlten, während die Skyline in zeitlosen Grautönen erschien. Die Stadt wirkte geheimnisvoller, filmischer – fast so, als zeige sie eine Seite, die bei Tageslicht verborgen bleibt.

An diesem Projekt hat mich besonders fasziniert, Sydney mit neuen Augen zu entdecken. Zwei Jahre habe ich hier gelebt, die Stadt und ihre Strände oft erkundet. Doch erst das Entziehen der Farbe und die präzise Einstellung der ACROS-Filmsimulation verliehen diesen vertrauten Orten eine völlig neue Ausstrahlung. Fotografie bedeutet mehr, als nur den Bildausschnitt zu wählen – sie fordert, die Perspektive bewusst zu gestalten. Schon eine Verschiebung der Schatten, eine leichte Anpassung des Kontrasts oder die Entscheidung für Schwarzweiß kann die Wirkung eines Ortes grundlegend verändern.
Die Arbeit mit nur einer Filmsimulation forderte meine Kreativität heraus. Indem ich konsequent meinem Filmrezept folgte, ließ ich mich nicht von den unzähligen Möglichkeiten ablenken. Stattdessen vertraute ich dem Prozess und setzte auf Konstanz. So gewann die Serie an Zusammenhalt, obwohl sie zwischen Porträts, Landschaften sowie Natur- und Architekturaufnahmen wechselte. Jedes Bild fügt sich ein, als erzähle es Teil derselben Geschichte.

Am Ende ging es nicht darum, das perfekte Filmrezept zu finden. Wichtiger war es, Tempo herauszunehmen, genauer hinzusehen und die Verbindung zwischen Stadt und Natur zu spüren. Die ACROS-Filmsimulation zählte schon immer zu meinen Favoriten, doch durch die Anpassung für dieses Projekt wurde sie noch persönlicher. Sie war nicht länger nur eine Einstellung, sondern wurde zu einer Perspektive – einer Möglichkeit, meine Erlebnisse in Sydney fotografisch festzuhalten.


Ich hoffe, die Fotos zeigen diese Balance: nicht nur Sydneys Skyline und Wahrzeichen, sondern auch stille Ecken, wo Palmblätter Gebäude berühren, Schatten den Bürgersteig streifen und Menschen zwischen Natur und Stadt innehalten.