Flâneur à Paris – Ein Tag mit der neuen FUJIFILM GFX100RF
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Als ich die FUJIFILM GFX100RF zum ersten Mal in der Hand hielt, konnte ich es nicht glauben. Das sollte eine Mittelformat-Kamera sein? So klein, so leicht?
Ich hatte die Möglichkeit, mit der GFX100RF ein Projekt zu realisieren und die Kamera dabei einem Praxistest zu unterziehen. Gemeinsam mit meinem Kollegen David Klammer, der mich als Videograph begleitete, fuhr ich nach Paris. Ich wollte am Ufer der Seine entlang gehen, auf derselben Strecke, die zur Eröffnung der Olympischen Spiele so grandios und strahlend in Szene gesetzt worden war. Ich wollte schauen, wie rechts und links vom Fluss der Alltag aussieht. Einfach flanieren und sehen, was mir begegnet. Die GFX100RF schien mir die richtige Kamera für dieses Projekt zu sein – leicht, handlich und bereit für die Überraschungen und Abenteuer einer fremden Stadt.

Ich habe mir für diesen Praxistest die dunkelste Zeit des Jahres – den Dezember – ausgesucht. Das Wetter war trübe und nasskalt. Ich wollte es der GFX100RF nicht zu leicht machen. Ich ging weiter stromabwärts, immer am Ufer des Flusses entlang. Auf dem Blumenmarkt traf ich Fanny, die in einem kleinen Dorf nahe Paris lebt und am liebsten mittelalterliche Kleidung anzieht. Ich fotografierte sie mit Hut und schwarzem Umhang inmitten von Orchideen. Dann spazierte ich weiter und entdeckte auf dem Pont Neuf eine Treppe, die hinunter auf die Seine-Insel Ile de la Cité führte. Hier kreisten Möwen, die vom Meer den Fluss hinauffliegen, mit Rufen, die nach Salzwasser klangen.

In einer Seitenstraße entdeckte ich ein Restaurant, in dem die Zeit stehengeblieben war. Künstlerinnen und Schriftsteller aßen gerade zu Mittag. „Seit 50 Jahren hat sich hier nichts verändert“, erzählte mir ein Bildhauer. „Auch die Preise nicht“, fügte er zufrieden lächelnd hinzu. Auch wir aßen hier, ganz traditionell: Heringe mit Kartoffeln und Jakobsmuscheln. Und natürlich machte ich Fotos. Von den Gästen und den Angestellten, wie Jean-Luc, der sich nach dem Kartoffelschälen ein Glas Rotwein gönnte.

Ich setzte meinen Spaziergang fort, immer entlang des Flusses. Es war Hochwasser und die Seine schwappte über den Quai. Dann kamen auf der Höhe des Eifelturms die Hausboote in Sicht. Hier leben Menschen auf dem Fluss, Singles wie Familien.
Ich balancierte über den Steg eines der Boote und klopfte an die Tür. Joffrey öffnete und ließ mich sofort hinein. Er ist Fotograf und macht abends Fotos von Touristen vor dem erleuchteten Eifelturm. Ihn fotografierte ich auf seinem Boot in der Abenddämmerung.

Ich war den ganzen Tag mit der GFX100RF unterwegs und habe das Gewicht der Kamera kaum gespürt. Eine Mittelformatkamera, die fast so leicht ist wie eine kleine Kompaktkamera. Aber mit der vierfachen Auflösung und dem entsprechend großen Dynamikumfang, der selbst in den dunkelsten und in den hellsten Bereichen Details sichtbar macht.
Nirgendwo war ich mit dieser kleinen Kamera die Fotografin, sondern immer einfach ein Teil des Lebens. Ich war kein Eindringling mit einer Kamera vor dem Gesicht. Kein Gerät, dass mich und die anderen trennte. Immer war ich einfach da und mittendrin.
Diese Kamera verbindet, sie ist einfach selbstverständlich mit dabei. Mit ihr schieße ich keine Fotos von Menschen, mit ihr kommuniziere ich. Denn beim Porträtieren ist es wichtig, wer oder was einen ansieht.
Es spielt eine Rolle, ob man sich wohl oder unwohl fühlt, ob man gerne in die Kamera schaut oder nicht. Das entscheidet, ob das Foto gelingt. Vor der GFX100RF hat niemand Angst. Im Gegenteil. Die Menschen scheinen sie zu mögen, oder noch besser, gar nicht wirklich wahrzunehmen. Denn das Gesicht der Fotografin wird nicht von der Kamera verdeckt, es bleibt frei.

Ich selbst halte diese Kamera gerne in der Hand. Das haptische und optische Erlebnis ist wichtig. Man muss einen Gegenstand, den man täglich in der Hand hat, mögen. Und die GFX100RF ist nicht nur ein Design-Meisterwerk, sondern sie schmiegt sich geradezu in die Hand. Die Anordnung der Knöpfe und Rädchen ist intuitiv, das Sehen und das Fotografieren ist ein Flow.

Der Sucher ist unbeschreiblich gut. Er ist sehr groß und bietet eine hervorragende Auflösung. Beim Fotografieren fühle ich mich nicht wie eine Zuschauerin, sondern wie ein Teil der Szene. Der Autofokus ist schnell und sicher. Das Objektiv mit einer Brennweite von 35mm (äquivalent zu 28mm KB), ist für alle Situationen geeignet. Beim Porträtieren war es mir manchmal zu weit, aber hier haben sich die Ingenieure von FUJIFILM etwas Gutes einfallen lassen. Es gibt einen dreistufigen Zoom, mit dem man das Motiv heranzoomen kann. Es ist ein digitaler Zoom, aber es zeigt mir schon beim Fotografieren, wie das Bild gecroppt aussehen würde.

Die sehr hohe Auflösung von 100 Megapixeln ermöglicht es, dass man ohne Probleme Ausschnitte machen kann. Ich persönlich finde diesen weiten Aufnahmewinkel praktisch, denn gerade bei Reportagen, bei denen es schnell gehen muss, bedauere ich bei der Bildbearbeitung oft im Nachhinein, dass ich links oder rechts, oben oder unten gerne noch etwas mehr im Bild gehabt hätte.

Mein Fazit: Diese Kamera ist ein Meilenstein. Die kompakte Größe und das geringe Gewicht machen sie zur perfekten Kamera für unterwegs. Eine Mittelformatkamera, die man immer dabeihaben möchte.

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