Giulio Di Sturco x GFX100RF
Camargue: Wo Tradition auf Zukunft trifft

Im Herzen der Camargue, einer weitläufigen Lagunenlandschaft im Süden Frankreichs, bewahrt die Zeit eine fragile Balance. Diese einzigartige Region im Rhône-Delta vereint raue, ungezähmte Schönheit mit jahrhundertealten Traditionen.
Hier prägen Wasser, Salz und der allgegenwärtige Wind den Lebensrhythmus. Die Landschaft bewegt sich zwischen den Echos der Vergangenheit und den leisen Stimmen einer ungewissen Zukunft.

Dieser Rahmen bildet die Grundlage für mein neues Projekt „Camargue: Where Tradition Meets Tomorrow“. Es erzählt von Widerstandskraft und Veränderung, von den Menschen, die diese Region ihre Heimat nennen, und von ihrem Bemühen, das fragile Gleichgewicht zwischen Tradition und Fortschritt zu bewahren. Zwischen galoppierenden Pferden und glitzernden Salzfeldern fand ich die ideale Begleiterin für meine Reise: die FUJIFILM GFX100RF.
Die Camargue ist eine Landschaft von besonderem Charakter: Weite Salzflächen und Feuchtgebiete bilden ein empfindliches Ökosystem, das unzähligen Zugvögeln Rastplatz bietet und zudem Heimat der berühmten weißen Pferde und schwarzen Stiere ist. Auch die Menschen prägen diesen Ort: Hüter, Stierzüchter, Salz- und Reisbauern, die hier seit Generationen leben und arbeiten.

Doch selbst hier bleibt Wandel nicht aus. Nur einen Steinwurf entfernt, in Arles, verschieben sich durch die Gentrifizierung die Verhältnisse: Altes weicht Neuem, und mit den Strukturen gerät auch die Frage nach Identität und Zukunft in Bewegung. Dieser Kontrast berührt – und wirkt zugleich poetisch.
Um diese Geschichte festzuhalten, benötigte ich eine Kamera, die meine Bildidee nicht bremst und sich den wechselnden Bedingungen vor Ort anpasst. Die GFX100RF war dabei mein Hauptwerkzeug.
Mit ihrem schlanken Gehäuse und ihrem minimalistischen Design ist sie ein Blickfang. Doch mal ehrlich: Am Ende entscheidet nicht die Hülle, sondern das, was die Kamera liefert. Und da ist sie bemerkenswert konsequent.

Mit der 35-mm-Festbrennweite (KB-äquivalent 28 mm) traf die GFX100RF genau den Bereich, den ich für meine Arbeit brauchte. Ob weite Landschaften, intime Porträts oder flüchtige Details – die Perspektive blieb verlässlich und passte sich meinem Blick an. Gerade diese Vielseitigkeit half, eine Erzählung zu formen, die stimmig und unmittelbar wirkt. Mit nur einem Objektiv zu arbeiten, ist dabei erstaunlich befreiend: Es zwingt zu Entscheidungen, schärft den Blick und bringt einen näher an die Szene.

Die GFX100RF überzeugte mich vor allem durch ihre Leichtigkeit und Handlichkeit. Wenn man knietief im Wasser steht, um galoppierende Pferde in den Sümpfen zu fotografieren, zählt jedes Gramm. Mit der kompakten Kamera konnte ich mich frei bewegen und so nah herangehen, wie es die Situation erlaubte – ohne aufdringlich zu wirken. In solchen Momenten geht es um Tempo und Präsenz. Der Autofokus arbeitete dabei schnell und präzise. Selbst feine Details blieben erhalten, bis hin zum spritzende Wasser, das die Hufe der Pferde im Schlamm aufwirbelten.

Auch die Bildqualität überzeugte mich. Die Dateien bieten einen großen Dynamikumfang und eine sehr stimmige Farbwiedergabe mit genug Reserven, um in der Nachbearbeitung Nuancen herauszuarbeiten, ohne dass das Bild aus der Balance zu bringen.
Kleine Korrekturen waren ohnehin unproblematisch, weil die RAWs viel Spielraum für Anpassungen und Feinschliff lassen.
Am Ende war jedes Bild wie ein Gemälde mit einer spürbare Tiefe und feinen Texturen.

Einer meiner schönsten Momente war der Besuch der L’Ecole du Domaine du Possible, einer experimentellen Schule in der Camargue. Dort verbinden sich traditionelles Wissen und innovative Ansätze in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler. Ich begleitete eine Gruppe, die nachhaltige Anbaumethoden ausprobierte. Ihre Hände waren mit Erde bedeckt, ihre Augen strahlten vor Entschlossenheit. Die GFX100RF hielt die Feinheiten dieser Szenen meisterhaft fest: das Spiel von Licht und Schatten sowie die unverfälschten Emotionen in den Gesichtern. Es schien, als verstehe die Kamera genau, was ich wollte, und setze meine Vision mühelos um.


Die GFX100RF ist mehr als nur ein Werkzeug, sie ist eine verlässliche Begleiterin. Ihre Wetterfestigkeit ließ mich auch unter schwierigen Bedingungen ohne Zögern fotografieren. Ob Spritzer im Sumpf oder Staub von galoppierenden Bullen, ich zweifelte nie an ihrer Robustheit. Genau das schafft kreative Freiheit, der Kopf bleibt bei der Geschichte.

Für mich ist Fotografie mehr als das Festhalten von Bildern. Sie schafft Verbindungen zu Menschen, Orten und jenen flüchtigen Momenten, die sonst einfach vorbeiziehen. Die GFX100RF passt zu dieser Haltung. Als Teil eines Mittelformatsystems ermutigt sie zum Innehalten: genauer hinsehen, die Umgebung bewusst wahrnehmen, im Moment bleiben. Und wenn es schnell gehen muss, ist sie sofort bereit, zuverlässig und ohne Umstände.

Wenn ich an die Camargue zurückdenke, staune ich, wie mühelos die GFX100RF in meinen Rhythmus passte. Leicht genug, um sie immer dabei zu haben, schnell genug für das Unvorhersehbare und mit einer Bildqualität, die mehr als überzeugt. Für einen Dokumentarfotografen ist sie eine ideale Zweitkamera. Nur: Oft wirkte sie wie die einzige, die ich wirklich brauche.
Auf die Camargue! Auf ihre Kontraste, ihre Verbindungen, ihre ungezähmte Schönheit. Und auf die GFX100RF, mit der ich die Geschichte dieser einzigartigen Landschaft erzählen durfte. Zusammen haben sie mir gezeigt, was Fotografie leisten kann:
Sie bewahrt Vergangenes, verdichtet die Gegenwart und öffnet den Blick in die Zukunft.
