Elke Vogelsang zeigt, wie Experimentierfreude und Ausdauer zu eindrucksvollen Tierporträts führen
Elke Vogelsang hat sich auf Tierporträts spezialisiert. Die markanten Aufnahmen von Hunden und Katzen haben die Werbe- und Porträtfotografin aus Hildesheim international bekannt gemacht. Sie arbeitet eng mit einer vielfältigen Auswahl an Tiermodellen und unterhält ein umfangreiches Bildarchiv mit lizenzierbaren Fotos.
Ihre Bilder erschienen im amerikanischen und deutschen Fernsehen sowie in Büchern, Zeitschriften und Zeitungen weltweit. Ihre Werke wurden in mehreren Ländern ausgestellt, und sie hält regelmäßig Vorträge auf Fotoevents.

Fotografie als Rückzugsort
„Ich habe mich auf Tierfotografie spezialisiert und arbeite seit 14 Jahren als professionelle Fotografin“, erzählt Elke. „Früher war ich Übersetzerin. Das war ein eintöniger Job, weil ich technische Texte übersetzte. Ich habe mich nie an etwas Kreatives gewagt, weil ich dachte, ich brauche Sicherheit.“
„Anfangs war Fotografie nur ein Hobby“, sagt sie. „Doch in schwierigen Zeiten wurde sie zu meinem kreativen Ventil.“
Am Weihnachtstag 2009 erlitt Elkes Ehemann eine schwere Hirnblutung. In den Monaten danach half ihr die Fotografie, den Druck der Pflege und die Ungewissheit über seine Genesung zu ertragen. Sie startete ein tägliches Fotoprojekt und gestaltete ein visuelles Fototagebuch für ihren Mann, der sein Kurzzeitgedächtnis verloren hatte.

Nach drei Monaten erinnerte sich Elkes Mann wieder an vieles. In dieser Zeit verbesserte sich ihre Fotografie deutlich. Elke las jedes Buch über Fototechnik, das sie finden konnte, und setzte ihr tägliches Fotoprojekt fort. Dieses bot ihr weiterhin eine willkommene Ablenkung vom Alltagsstress.
Sie fotografierte alles, was ihr vor die Linse kam, häufig auch die Hunde des Paares. Diese Bilder weckten das Interesse ihrer Freunde, die sie bald baten, auch ihre Haustiere zu fotografieren. Elkes Tierfotografie stieß schnell auf große Resonanz.

Erste Versuche im Studio
„Früher fand ich Studioaufnahmen von Haustieren langweilig“, erzählt Elke. „Ich war überzeugt, dass Hunde sich im Studio unwohl fühlen, und außerdem war ich lieber draußen in der Natur.“
Doch bald bemerkte sie, dass ihr tägliches Fotoprojekt die Zeit für Außenaufnahmen begrenzte. „Im Winter, als es draußen grau und regnerisch war, dachte ich: ‚Okay, probieren wir es mal mit der Studiofotografie.‘ Ich überlegte, wie ich die Aufnahmen spannender gestalten könnte – und so entstanden die lustigen Tiergesichter. Diese Bilder verbreiteten sich rasant im Netz, und schon bald galt ich als Expertin für Studioaufnahmen.“
Ihr heimisches Fotostudio ist exakt auf ihre tierischen Motive zugeschnitten. „Ich nutze ein einfaches Blitzlicht, das möglichst geräuscharm arbeitet. Dass sich die Tiere vor der Kamera wohlfühlen, ist mir wichtiger als jede raffinierte Beleuchtungstechnik.“

„Meine meistgenutzte Kamera ist die FUJIFILM X-H2S, die ich fast ausschließlich im Studio verwende. Für persönlichere Fotos außerhalb des Studios nehme ich die FUJIFILM X-E5, die mir großen Spaß macht.
Im Studio setze ich zu 95 Prozent auf das FUJINON XF16-55mmF2.8 R LM WR. Mit 16 mm gelingen mir witzige Nahaufnahmen und Weitwinkelporträts, während 55 mm elegantere Bilder ermöglichen. Dieses eine Objektiv reicht mir dort völlig.
Draußen sieht es anders aus. Für Außenaufnahmen bevorzuge ich Festbrennweiten. Mit der X-E5 verwende ich oft das FUJINON XF23mmF2.8 R WR. Mein Favorit fürs Fotografieren im Freien – egal ob stilvolle Porträts oder Hunde in Bewegung – bleibt jedoch das FUJINON XF90mmF2 R LM WR. Brauche ich ein kompakteres Objektiv, zum Beispiel im Urlaub, greife ich zum FUJINON XF56mmF1.2 R WR.“

Die Arbeit mit Tieren
„Man merkt sofort, wenn jemand, der Hunde nicht wirklich mag, Fotos von ihnen macht“, sagt Elke. „Wer Hunde und Katzen fotografieren möchte, sollte sie auch mögen – davon bin ich überzeugt.“
Wer ausdrucksstarke Tierporträts aufnehmen möchte, sollte sich laut Elke zunächst mit den fotografischen Grundlagen vertraut machen. „Lerne, deine Kamera zu beherrschen, und langweile dein Haustier nicht, indem du ständig an den Einstellungen herumfummelst“, rät sie. „Genauso wichtig ist es, den richtigen Umgang mit dem Tier zu finden.“
Gelegentlich trifft Elke auf einen Hund, der sich nicht gerne fotografieren lässt. „Aber mit jedem Hund oder jeder Katze, die ich kennenlerne, lerne ich neue Wege kennen, wie ich die Fotosession für das Tier angenehm gestalten kann.“

„Wenn du Tierporträts machen möchtest, solltest du so viele Hunde und Katzen wie möglich kennenlernen“, empfiehlt Elke. Sie rät: „Bitte Freunde um Unterstützung oder frage in einer Hundeschule nach. Genauso habe ich angefangen: Ich habe meine Kamera mit in die Hundeschule genommen und die Hunde meiner Freunde fotografiert. Dabei habe ich gelernt, wie man die Vierbeiner am besten motiviert.“
Die meisten Hunde lieben Leckerlis, doch Elke beginnt immer mit etwas weniger Aufregendem, weil sie festgestellt hat, dass die Tiere sonst zu schnell unruhig werden. „Das Gleiche gilt für Spielzeug, denn dann ist der Hund oft völlig außer sich. Ich starte also ruhig und steigere mich, wenn nötig, Schritt für Schritt“, so Elke.

Die geschäftliche Perspektive
Aus der Zusammenarbeit mit Kunden weiß Elke, was ein Tierporträt kommerziell erfolgreich macht – und wie sehr sich das oft von den Vorstellungen der Besitzer unterscheidet.
„Das ist bei jedem Hund anders“, erklärt sie. „Manchmal hat man den schönsten Hund mit fröhlichem Wesen, doch vor der Kamera wirkt er auf jedem Bild traurig. Die Augenbrauenform und ein erwartungsvoller Blick verstärken oft den Eindruck.
Elke mag solche Bilder sehr, doch viele Menschen interpretieren sie so, als sei der Hund tatsächlich traurig. „Ich möchte nicht, dass sie das denken“, sagt Elke. „Deshalb ist es eine Herausforderung, die richtigen Bilder auszuwählen, die den Hund so zeigen, wie er wirklich ist.“
In meinen Studiobildern steckt viel Nachbearbeitung. Bei meinen Outdoor- und Lifestyle-Aufnahmen mag ich es direkter und versuche, den Look schon in der Kamera zu treffen – am liebsten mit meinen eigenen benutzerdefinierten Filmsimulationen.

Mit ihrem Gespür für erfolgreiche Bilder hat Elke ein häufig nachgefragtes Archiv mit kommerziell nutzbaren Bildern aufgebaut. „Es kommt ganz darauf an, für wen das Foto gedacht ist“, erklärt sie. „Meine Aufnahmen für einen Hundebesitzer sehen oft anders aus als die für kommerzielle Kunden.“
Tatsächlich neigen wir dazu, Haustiere zu vermenschlichen und ihre Mimik wie die eines Menschen zu interpretieren. „Doch ein Hund, der mit leicht heraushängender Zunge und hochgezogenen Lippen glücklich wirkt, ist nicht unbedingt zufrieden. Er könnte gestresst sein“, weiß Elke. „Man muss Momente einfangen, in denen der Hund wirklich glücklich aussieht, ohne ihn dabei zu belasten. Direkter Augenkontakt ist dabei immer entscheidend.“

Elke betont, dass harte Arbeit der Schlüssel zu guter Fotografie ist. Sie betrachtet ihre Fähigkeiten nicht als angeborenes Talent, sondern als Resultat von Recherche, Ausprobieren, Beharrlichkeit – und vor allem: Leidenschaft.
„Ich habe nicht einfach eine Kamera genommen und war plötzlich gut in der Fotografie“, sagt sie. „Dafür habe ich Zeit gebraucht. An Talent habe ich nie geglaubt, und tue das bis heute nicht. Ich bin fest davon überzeugt: Wer besser werden will, muss fotografieren – und zwar viel.“
Elke sieht sich selbst nicht als technisch brillante Fotografin. Stattdessen hat sie einen anderen Schlüssel zum Erfolg gefunden: „Ich habe einfach ein Motiv gewählt, das mir besonders am Herzen liegt und mir große Freude bereitet.“