
Von Ewa Meissner
Schon lange hegte ich den Wunsch, mit einer digitalen Mittelformatkamera zu arbeiten.

Als Dokumentarfotografin nutzte ich jahrelang eine analoge Kleinbildkamera sowie eine digitale FUJIFILM X-Pro3 für ein Langzeitprojekt an der polnischen Küste. Doch das große Sensorformat lockte mich mit seiner unvergleichlichen Detailtreue und Tiefe. Als ich schließlich die leichte, kompakte FUJIFILM GFX100RF mit 35-mm-Objektiv in den Händen hielt, schien sie wie geschaffen für mein visuelles Storytelling. Ich beschloss, sie an einen vertrauten Ort mitzunehmen, den ich mit frischem Blick neu entdecken wollte.

Viele Sommer war ich mit meiner Kamera durch die Küstenstädte gezogen, hatte mich in den Trubel der Touristensaison gestürzt und die Poesie des Alltags eingefangen: überfüllte Strände, belebte Cafés, sonnengebräunte Familien mit Eis in der Hand. Meine Kamera hielt die Lebendigkeit flüchtiger Momente fest und zeigte zugleich, wie der Tourismus die Landschaft veränderte.
Doch diese Winterreise mit der GFX100RF war anders. Die Menschenmassen waren längst verschwunden – übrig blieb eine stille, melancholische Leere. Nun konnte ich mich voll und ganz auf die Schönheit der Natur konzentrieren: auf das Spiel der Wellen im Sand, auf die weiten offenen Flächen, die sich endlos am Horizont erstreckten.

Vom ersten Moment anfühlte sich die Kamera wie ein Teil von mir an. Ihre kompakte Größe und ihr geringes Gewicht – immerhin ist es eine Mittelformatkamera – machten sie zur idealen Begleiterin bei meinen Spaziergängen entlang der einsamen Strände der Halbinsel Hel. Bei plötzlichen Schneestürmen schob ich sie einfach unter meine Jacke.
Der Komfort beim Halten verband sich nahtlos mit einer durchdachten Funktionalität: Die Tasten für den schnellen Zugriff auf die Menüs lagen perfekt unter meinen Fingern, und ich konnte die Belichtungseinstellungen anpassen, ohne das Motiv aus dem Blick zu verlieren. Besonders begeistert war ich vom neuen Einstellrad für das Aufnahmeformat: Der Wechsel zwischen 3:4, 3:2, Panorama und Quadrat war denkbar einfach und ermutigte mich, mit neuen Kompositionen zu experimentieren.

Einer der schönsten Aspekte dieser Reise war die Möglichkeit, mit der GFX100RF die Zeit zu verlangsamen und bewusst in jede Szene einzutauchen. Ich gewann die Muße, jede Komposition sorgfältig zu durchdenken. Das große Sensorformat eröffnete mir neue Wege, mehr von einer Geschichte in einem einzigen Bild einzufangen, und forderte mich heraus, die Beziehungen zwischen den Bildelementen zu erkunden: die sanfte Linie, an der sich Meer und Himmel berühren, das Lichtspiel auf der Wasseroberfläche, die strenge Geometrie der geschlossenen Bar eines Campingplatzes.

Das Arbeiten mit der fest verbauten 35-mm-Brennweite empfand ich dabei nicht als Einschränkung, sondern als Befreiung. Ich musste nicht darüber nachdenken, ob eine andere Brennweite besser passen würde. Natürlich hätte ich jederzeit den Digitalzoom nutzen können, doch die Festbrennweite zwang mich dazu, körperlich auf mein Motiv zuzugehen oder einen Schritt zurückzutreten. Diese Reduktion war ein Geschenk: Sie half mir, mich voll und ganz auf die Komposition zu konzentrieren.
Das Ergebnis war beeindruckend: Die GFX100RF fing jede Nuance von Textur und Licht mit bemerkenswerter Klarheit ein und lieferte Bilder, die ebenso weitläufig wie intim wirkten.

Auf meinen Streifzügen durch leere Fischerdörfer und Städte entdeckte ich stille Details, die im Sommertrubel oft übersehen werden: winzige Früchte an kahlen Sträuchern, verlorenes Kinderspielzeug, ruhende Schwäne am Strand, ein Band, das im Wind flatterte.
Die GFX100RF war dabei ein echter Glücksfall: Ihr unauffälliges, klassisches Design und der leise Auslöser erlaubten mir, unbemerkt zu arbeiten – selbst bei gelegentlichen Begegnungen mit Passanten. Ich fühlte mich weniger wie eine Fotografin, sondern eher wie eine stille Beobachterin, die das Zusammenspiel von Licht und Raum festhielt.

Besonders schätzte ich den praktischen Sucher, den ich häufiger als den LCD-Bildschirm nutzte, um den Bildausschnitt zu prüfen. Dadurch konnte ich mich besser von äußeren Ablenkungen abschirmen und mich ganz auf das Motiv konzentrieren. Diese Arbeitsweise verstärkte meine Verbindung zur Kamera und schärfte meine Wahrnehmung für das feine Zusammenspiel der Bildelemente.

Mit dieser Premium-Kompaktkamera der GFX Serie fühlte ich mich sofort wohl. Das elegante, durchdachte Design und die herausragende Bildqualität übertrafen meine Erwartungen. Der 102-Megapixel-Sensor bot mir in der Nachbearbeitung genügend Spielraum für Feinarbeiten und neue Kompositionen, doch selten verspürte ich das Bedürfnis, überhaupt einzugreifen: Meine Bilder boten bereits jene Komposition, Klarheit und Präzision, die ich anstrebte. Sie erzählten genau die Geschichten, die ich erzählen wollte.

Die winterliche Küste wirkte im Vergleich zu den lebhaften Sommerszenen wie ein emotionaler Neustart. Die Landschaft hatte die Üppigkeit des Sommers gegen eine kontemplative Stille eingetauscht. Die weiten, leeren Strände und die windgepeitschten Dünen wirkten auf mich reinigend – sowohl visuell als auch gefühlsmäßig. Mit der neuen GFX100RF in der Hand konnte ich diese Einsamkeit in Bildern einfangen und bewusst genießen.

Am Ende der Reise hatte sich die GFX100RF nicht nur als großartiges Werkzeug erwiesen, sondern auch als treue Begleiterin und stille Freundin, die meinen Blick auf die Welt schärfte. Unsere Winterreise an die polnische Küste markierte den Beginn eines neuen Kapitels meines Langzeitprojekts – eine bereichernde Erfahrung, bei der Kamera und Fotografin harmonisch zusammenarbeiteten.










