Was verbirgt sich in den kleinsten Details der Natur? Der Tier- und Naturfotograf Javier Milla erklärt, wie du mit passender Ausrüstung und den richtigen Techniken die faszinierende Welt der Makrofotografie erkundest.

„Die Makrofotografie gehört zu den spannendsten Bereichen der Fotografie, weil man sie fast überall und mit nahezu jeder Ausrüstung betreiben kann“, beginnt Javier Milla, ein in Spanien lebender Fotograf.
Dieses Genre eröffnet nicht nur unzählige Möglichkeiten, unterschiedlichste Motive festzuhalten, sondern ermöglicht auch einen neuen Blick auf die Welt. Es erlaubt ihm und seinem Publikum, die Natur aus nächster Nähe zu erleben.
„So können wir Details von Pflanzen, Objekten und Tieren einfangen, die wir mit bloßem Auge normalerweise nicht erkennen würden“, schwärmt er.
Unendliche Möglichkeiten
Die Makrofotografie ist ein vielseitiges Genre, bei dem weniger das Motiv selbst zählt als die Art, wie du es in Szene setzt. Für Naturfotografen wie Javier eröffnet sie unzählige Möglichkeiten, Flora und Fauna neu zu entdecken.
„Ein großer Vorteil der Makrofotografie in der Natur ist, dass man im Vergleich zu anderen Sujets weniger von unkontrollierbaren Faktoren abhängig ist“, erklärt er. „Wind kann zwar stören, lässt sich aber beherrschen. Und das Umgebungslicht kannst du mit Reflektoren, Blitzgeräten und LED-Leuchten gezielt beeinflussen.“
Schon wenige Quadratmeter genügen, um zu nahezu jeder Tageszeit Makrofotografie zu betreiben – ob im Garten, im Park oder in freier Natur.

Makroaufnahmen sind ideal für alle, die mit Naturfotografie beginnen möchten. Es gibt nur wenige äußere Störfaktoren, dafür aber zahlreiche Motive – oft schon im eigenen Garten oder im nächsten Park.
„Fast alle Makrofotografie-Enthusiasten beginnen mit Insekten, weil diese so zahlreich, einzigartig und schön sind“, erklärt Javier. „Insekten lassen sich meist gut fotografieren, besonders in den frühen Morgenstunden, wenn es noch kühl ist. Man muss sich nur langsam und ohne ruckartige Bewegungen nähern und dabei am besten durch den Sucher der Kamera schauen. Zwei Augen, die sie aus nächster Nähe anstarren, wirken auf Insekten oft wie die Augen eines Räubers.“
Insekten im Flug zu fotografieren, ist deutlich anspruchsvoller. Hier sind Geduld, Ausdauer und ein schneller Autofokus gefragt.

Die richtige Ausrüstung für überzeugende Makroaufnahmen
„Für meine Makrofotos verwende ich die FUJIFILM X-H2S in Kombination mit dem FUJINON XF80mmF2.8 R LM OIS WR Macro und, je nach Motiv, ein oder zwei Zwischenringe“, erklärt Javier. „Wenn die Motiverkennung der Kamera auf den Vogelmodus eingestellt ist, erkennt sie Insekten perfekt – sie fokussiert sogar direkt auf deren Augen. Das erleichtert scharfe Aufnahmen erheblich. Bei unbewegten Motiven fokussiere ich fast immer manuell.“
„In der Makrofotografie strebt man meist eine möglichst große Schärfentiefe an. Mit Offenblende F2.8 kann man mit dem XF80mmF2.8 Makroobjektiv gezielt nur einen bestimmten Punkt des Motivs scharf abbilden – so lassen sich Akzente setzen“, fügt er hinzu.
Für viele Motive genügen eine gut eingestellte Kamera und ein passendes Objektiv, um eindrucksvolle Nahaufnahmen zu erstellen. Wer jedoch fortgeschrittenere Techniken ausprobieren möchte, dem empfiehlt Javier einige zusätzliche Hilfsmittel.
„Die Beleuchtung spielt bei dieser Art von Fotografie eine entscheidende Rolle“, betont er. „Meiner Erfahrung nach ist ein kontinuierliches LED-Ringlicht die beste Wahl. Wird mehr Licht benötigt, lässt es sich mit Blitz und Diffusor kombinieren, um Reflexionen zu vermeiden. Der Blitz wird dabei im manuellen Modus mit sehr geringer Leistung ausgelöst – so wird die Bewegung eingefroren, ohne dass der Blitzeinsatz im Bild zu dominant wirkt.“

Fokus-Stacking

Um die Schärfentiefe zu erweitern und alle Bereiche seines Motivs scharf darzustellen, nutzt Javier Fokus-Stacking.
„Dafür gibt es verschiedene Techniken. Dank der Belichtungsreihenfunktion der FUJIFILM X-H2S ist dabei kein externes Zubehör nötig“, erklärt er. „Man kann mit der Funktion ,BKT Focus‘ die Anzahl der Aufnahmen und das Intervall so einstellen, dass die Kamera 60, 120 oder mehr Bilder aufnimmt. Dabei verlagert die Kamera den Fokus schrittweise vom Nahbereich bis unendlich. Anschließend werden die Einzelbilder in der Nachbearbeitung zu einem finalen Bild kombiniert.“
Bei solchen Aufnahmen ist die Beleuchtung entscheidend. LED-Lichter, Blitzlicht oder eine Kombination aus beidem bringen Texturen und zentrale Motivbereiche gezielt zur Geltung. Um etwa die Unterseite des Käfers zu betonen, lag dieser auf einer transparenten Acrylplatte, während der Blitz von unten positioniert war.

Verborgene Details
Wer Krabbeltiere lieber meidet, findet auch in der Pflanzenwelt zahlreiche Motive.
„Je nach Jahreszeit eignen sich Pflanzen und Blumen hervorragend für die Makrofotografie. Die Auswahl an Motiven ist nahezu unbegrenzt“, erklärt er. „Wilde Orchideen blühen gegen Ende des Winters. Sie gehören zu meinen Lieblingsmotiven. Ihre Vielfalt, ihre Schönheit und ihre einzigartigen Formen faszinieren mich immer wieder. Allerdings wachsen sie nur an ganz bestimmten Orten. Manchmal sind weite Wege nötig, um eine bestimmte Art zu finden.“
Wer Makrofotografie ausprobieren möchte, muss dafür nicht weit reisen. Für Javier liegt die Faszination der Makrofotografie darin, im Alltag oft übersehenen Details bewusst wahrzunehmen.
„Neben Orchideen und anderen Blütenpflanzen kann fast jede Pflanze – ganz gleich, wie klein oder gewöhnlich sie erscheinen mag – spannende Motive bieten. Allerdings muss man bereit sein, sich die Hände schmutzig zu machen und viel Zeit in Bodennähe zu verbringen.“
