Die FUJIFILM GFX100RF ist eine kompakte Sucherkamera, wie man sie sich wünscht. Mit 735 Gramm ist sie leicht und schlicht gestaltet – dabei aber äußerst funktional.
Die Kamera wird aus einem einzigen Aluminiumblock gefertigt, der im Fräsverfahren bearbeitet wird. Die Oberseite besteht aus einem Stück und ist äußerst robust. Es gibt hier kein Sub-Display und die Mikrofonöffnung ist sehr klein und wurde direkt ins Aluminium gebohrt. Nur für die großen Einstellräder für die Belichtung und die Belichtungskorrektur gibt es größere Aussparungen in der Oberplatte. Schrauben oder andere Verbindungen sucht man vergebens. Fujifilm setzt dieses Konzept hier erstmals um. Beim Fotografieren spürt man: Die Kamera wirkt wirklich wie aus einem Guss. Mit Gegenlichtblende und Filtersatz ist die Kamera wetterfest.

Die Tasten und Bedienelemente der Kamera sind durchdacht gestaltet und sinnvoll platziert. Es gibt nicht zu viele, sie sind weder zu klein noch unhandlich. Oft genutzte Tasten funktionieren zuverlässig, und das Objektiv lässt sich präzise steuern; das Menü bietet zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten. Trotz des kompakten Designs ist die Einstellungsvielfalt überwältigend. Viele davon brauche ich nicht, doch manche Nutzerinnen und Nutzer schätzen sicher die Möglichkeit, die Kamera exakt auf ihre Bedürfnisse abstimmen zu können.

Das Einstellrad für die Belichtungskorrektur ist groß und leicht zu bedienen – ein Pluspunkt. Es ermöglicht schnelle Anpassungen, ohne dass man lange überlegen muss. So bleibt der Fokus auf dem Wesentlichen.
Der Wählschalter für den digitalen Telekonverter ist optimal positioniert. Auch der vordere Steuerhebel, der für verschiedene Funktionen konfiguriert werden kann, ist gut durchdacht. Eine der Funktionstasten liegt direkt am Drehpunkt des Hebels – das spart Platz und erleichtert die Bedienung.
Die Q-Taste für das Schnellmenü ist geschickt eingelassen, um versehentliches Drücken zu vermeiden. Sie bleibt dennoch leicht erreichbar – ein gelungenes Detail, das Ästhetik und Funktionalität verbindet.

Das Gehäusedesign überzeugt in jeder Hinsicht. Der Griff bietet ausreichend Halt, und in Kombination mit dem Objektiv lässt sich die Kamera nochmals besser halten. Ein zusätzlicher Griff erübrigt sich.

Die verwendeten Materialien sind hochwertig, die Gravuren auf den Tasten beeindruckend präzise. Selbst die Blitzschuhabdeckung fügt sich nahtlos ins Design ein. Die Kamera beeindruckt durch ihre Schlichtheit – auf dekorative Verzierungen wurde bewusst verzichtet.

Der elektronische Sucher (EVF) funktioniert gut. Er steht nicht hervor und reibt nicht an der Kleidung. Das Dioptrieneinstellrad ist leicht zugänglich. Das Sucherbild erlaubt Anpassungen von Helligkeit, Farbton und Sättigung. Ein Augensensor sorgt für automatische Umschaltung, die sich individuell konfigurieren lässt.

Das Bildformat-Einstellrad ist mein Highlight der Kamera. Damit lässt sich das Seitenverhältnis des Bildes bei der Aufnahme anpassen. Diese Funktion hat den Prozess der Bildkomposition für mich verändert. Natürlich kann man das Bild auch erst später zuschneiden – doch ich will auf diese Funktion nicht mehr verzichten.
Der Bildausschnitt und das Seitenverhältnis beeinflussen Perspektive, Kameraposition sowie die Wahl von Vorder- und Hintergrund. Gelegentlich passe ich auch die Brennweite an.

Dabei greifen zwei Funktionen der GFX100RF ineinander: die Seitenverhältnis-Einstellung und der digitale Telekonverter. Anfangs war ich skeptisch, doch in der Praxis hat sich die Kombination als äußerst hilfreich erwiesen und ich nutze sie oft. So lässt sich eine Szene von einem einzigen Standort aus auf völlig unterschiedliche Weise festhalten.
Die Kamera bietet zahlreiche Seitenverhältnisse wie 3:2, 16:9, 65:24, 17:6 und 5:4. Mein Favorit ist 65:24 – perfekt für Panoramen. Wenn ich damit fotografiere, spüre ich deutlich, wie diese Einstellung meine Sichtweise verändert.

Mit der Formatvorschau lässt sich der schwarze Bereich außerhalb des Beschnitts halbtransparent anzeigen. Das erleichtert die Bildkomposition und eröffnet neue Sichtweisen.
Der Trageriemen ist lang genug, um die Kamera diagonal über Schulter und Brust zu tragen. So bleibt sie griffbereit, ohne zu stören. Für den Hals ist der Riemen zu lang, aber um das Handgelenk gewickelt, eignet er sich für Aufnahmen aus niedrigen Perspektiven.
Der LCD-Bildschirm ist sehr dünn und glatt gestaltet.
Er schließt gut mit dem Kameragehäuse ab, ist robust und lässt sich bei Bedarf leicht ausklappen.

Mit der neu entwickelten 35-mm-F4-Festbrennweite ist die Kamera angenehm kompakt. Selbst mit der viereckigen Gegenlichtblende bleibt sie sehr handlich.

Ein zusätzlicher Ring in der Verpackung verkleinert die Kamera optisch, verhindert aber die Nutzung von Filtern. In jedem Fall passt sie in eine kleine Tasche und ist jederzeit griffbereit.


Der Bildwinkel – vergleichbar mit 28 mm im Kleinbildformat – zeigt einen weiten Ausschnitt, bleibt jedoch nah am Motiv. Im 4:3-Format wirkt er besonders ausgewogen und erzählt die Bildgeschichte vollständiger als das 3:2-Format.
Zwei Griffhilfen am Blendenring ermöglichen eine schnelle Blendeneinstellung. Sie sind so platziert, dass sie leicht erreichbar sind, ohne zu stören.
Trotz der kompakten Bauweise liefert das Objektiv beeindruckende Ergebnisse. Bei einer Auflösung von 102 Megapixeln zeigt es selbst kleinste Details.
Die Schärfe bleibt von Blende F4 bis F22 konstant hoch, auch an den Bildrändern.

Verzerrungen durch Beugung sind minimal und gut kontrolliert. Streulicht und Aberrationen werden effektiv reduziert.
Der Autofokus arbeitet zuverlässig bei allen Lichtverhältnissen. Er stellt präzise auf die Augen scharf und lässt sich über Joystick oder Touchscreen steuern. Im Test hat er überzeugt.
Die GFX100RF bietet alles, was man braucht, und mehr.
Sie ist nicht nur ein Werkzeug, sondern auch ein Stück Freude – beim Fotografieren und Betrachten der Ergebnisse.

Materialien, Handhabung, Design – alles ist perfekt. Die Kamera ist robust, edel und durchdacht. Sie macht glücklich, ohne alles können zu wollen. Jetzt möchte ich sie überallhin mitnehmen, weil sie schön und leicht ist und wirklich Spaß macht. Mit 102 Megapixeln bietet sie mehr als genug kreativen Spielraum.
Fazit
Jede Kamera hat unterschiedliche Eigenschaften. Es gibt keine beste oder schlechteste Kamera, sondern nur eine Kamera, die passend für das ist, was wir machen wollen.
Für mich erfüllt die GFX100RF ihren Zweck vollkommen. Design, Materialien und Verarbeitung sind so gelungen, wie es das Team geplant hat.
Ob sie zu einem passt, muss jeder selbst entscheiden.










