“Wenn ich 80 bin, werde ich wahrscheinlich nicht mehr so viel reisen. Dann werde ich anfangen, in meinen Kontaktbögen zu reisen.“
— Josef Koudelka
Über Jahrzehnte hinweg waren Reisen und Fotografieren für Josef Koudelka untrennbar miteinander verbunden. Seine Arbeit entstand aus kontinuierlicher Bewegung – über Ländergrenzen hinweg, durch Landschaften und wechselnde politische Realitäten. Was von diesen Reisen blieb, sind nicht nur fertige Fotografien, sondern umfassende Werkzusammenhänge: Kontaktbögen, Negative, Abzüge, Notizbücher, Karten, Zeitungen und persönliche Reisedokumente.
Im Laufe der Zeit wuchs dieses Material zu einem umfangreichen Archiv an, das mehr als ein halbes Jahrhundert fotografischer Arbeit umfasst und bis in die späten 1950er-Jahre zurückreicht. Heute ist dieses Archiv selbst zu einem eigenständigen Raum geworden – einem Ort, an dem vergangene Reisen erneut nachvollzogen, neu betrachtet und weiter erschlossen werden können.
Dieses Archiv zu bewahren bedeutet mehr als nur Bilder zu sichern. Es bedeutet, die vollständige visuelle Information der Originale zu erhalten: feinste Details, tonale Abstufungen, Farbzusammenhänge sowie die physische Beschaffenheit jedes einzelnen Objekts. Nur unter diesen Voraussetzungen können zukünftige Generationen das Werk in der von Koudelka intendierten Weise erfahren – als eine Reise durch die Bilder selbst.
Diese Perspektive bildete den Ausgangspunkt für die Digitalisierungsinitiative der Josef Koudelka Foundation. Das Archiv umfasst eine außergewöhnliche Bandbreite an Materialien – von 35mm- und Panorama-Negativen über fotografische Abzüge und gebundene Notizbücher bis hin zu gerahmten Arbeiten hinter Glas und großformatigen Postern. Die Digitalisierung dieser Vielfalt erforderte einen Ansatz, der höchsten archivischen Standards entspricht und zugleich flexibel genug ist, um auf sich verändernde Anforderungen reagieren zu können.
Um dieses Gleichgewicht zwischen Präzision und Anpassungsfähigkeit zu erreichen, benötigte die Foundation eine Lösung, die kompromisslose Bildqualität über alle Formate hinweg liefert – ohne das Archiv in ein starres technisches Schema zu zwingen, sondern sich den jeweiligen Anforderungen anzupassen. Daraus entstand der Einsatz eines kamerabasierten Digitalisierungssystems auf Basis der Fujifilm Imaging-Technologie.

Eine auf das Archiv zugeschnittene Digitalisierungslösung
„Die Bewahrung der fotografischen Archive von Josef Koudelka erfordert kompromisslose technische Präzision, Konsistenz und höchste Bildtreue.
Das Fujifilm GFX Kamerasystem liefert die außergewöhnliche Auflösung und Zuverlässigkeit, die für die archivische Erhaltung notwendig sind – und stellt sicher, dass jedes Detail der visuellen Geschichte der Foundation mit höchster Genauigkeit für zukünftige Generationen erfasst wird.“
— Jonathan Roquemore
Josef Koudelka Foundation
In enger Zusammenarbeit mit der Josef Koudelka Foundation wurde eine Digitalisierungslösung auf Basis des Fujifilm GFX100 II Kamerasystems umgesetzt. Das Setup wurde so konzipiert, dass es den spezifischen Anforderungen des Archivs gerecht wird, anstatt einen festen technischen Prozess auf das Material aufzuerlegen.
Die Foundation arbeitet täglich mit Museen, Verlagen, Grafikdesignern, Galerien sowie internationalen Partnern wie Magnum Photos zusammen. Entsprechend vielfältig sind die Anforderungen an die Reproduktion – von hochauflösenden Scans einzelner Filmkornstrukturen bis hin zu großformatigen Reproduktionen für Ausstellungen und Installationen im öffentlichen Raum. Eine präzise und originalgetreue Wiedergabe ist dabei von zentraler Bedeutung.
Im Zentrum des Systems steht die GFX100 II, kombiniert mit den Objektiven GF55mmF1.7 R WR und GF120mmF4 R LM OIS WR Macro. Diese Kombination ermöglicht die erforderliche optische Präzision und Flexibilität, um unterschiedlichste Vorlagen mit konstant hoher Bildqualität zu digitalisieren.
Hochwertige LED-Lichtpanels mit hohem CRI-Wert gewährleisten eine exakte Farbwiedergabe. Ein motorisiertes Reprostativ ermöglicht präzise und reproduzierbare Positionierung, während ein Fußpedal den Aufnahmeprozess effizient unterstützt. Die Steuerung erfolgt über Tethering-Software mit direkter Bildübertragung, wodurch ein kontrollierter und effizienter Workflow entsteht. Farbtargets und spezialisierte Software sorgen für standardisierte und reproduzierbare Ergebnisse.
In dieser Konfiguration fungiert das System als High-End-Reproduktionsplattform, die höchste archivische Anforderungen in Bezug auf Auflösung, Farbgenauigkeit, Tonwertwiedergabe und geometrische Präzision erfüllt – bei gleichzeitiger Flexibilität eines kamerabasierten Workflows.


Mit derselben Systemkonfiguration lassen sich Materialien von 35mm-Negativen und Panoramaformaten bis hin zu gebundenen Objekten, gerahmten Arbeiten sowie großformatigen Postern effizient digitalisieren, ohne aufwändige Umrüstungen vornehmen zu müssen.
Die Gesamtlösung wurde mit Unterstützung und Schulung durch Fujifilm konfiguriert und gewährleistet einen zuverlässigen und nachhaltigen Digitalisierungsprozess.
Auflösung, Detailgenauigkeit und Tonwertumfang

Im Zentrum des Systems steht ein 102-Megapixel-Sensor mit extrem hoher Auflösung, der selbst feinste Details über große Bildflächen hinweg erfassen kann. Diese Auflösung ermöglicht es, selbst kleinste Elemente innerhalb von Kontaktbögen präzise zu analysieren, zu vergrößern und weiterzuverarbeiten, ohne die Integrität des Originals zu beeinträchtigen.
Ebenso entscheidend ist die Fähigkeit des Sensors, feinste Tonwertabstufungen abzubilden. Mit einer Farbtiefe von 16 Bit und einem Dynamikumfang von über 14 Blendenstufen werden selbst subtile Übergänge in Schatten und Lichtern präzise erfasst – eine zentrale Voraussetzung für die Digitalisierung fotografischer Negative und Abzüge. So bleibt die vollständige visuelle Information der Originale erhalten, ohne Komprimierung oder Verlust.
Die optische Leistungsfähigkeit der GF-Objektive unterstützt diese Qualität durch eine gleichmäßige Schärfe bis in die Bildecken und eine präzise Abbildungsleistung über die gesamte Bildfläche hinweg – entscheidend für professionelle Reproduktion und archivische Anwendungen.

Effizienz und Anpassungsfähigkeit in der Praxis
Neben der Bildqualität war auch die Effizienz des Workflows ein zentraler Faktor. Schnelle Aufnahmezeiten, präziser Autofokus und die direkte Datenübertragung via USB-C oder Ethernet ermöglichen einen stabilen und kontrollierten Digitalisierungsprozess. Live-View und sofortige Bildkontrolle unterstützen eine kontinuierliche Qualitätssicherung und gewährleisten konsistente Ergebnisse auch bei großen Materialmengen.
Dank der hohen nativen Auflösung des Sensors können mehrere Objektgrößen von vordefinierten Kamerapositionen aus mit wenigen Objektivwechseln erfasst werden. Dies reduziert Umrüstzeiten und sorgt gleichzeitig für eine gleichbleibend hohe Reproduktionsqualität. Für Anwendungen mit noch höheren Detailanforderungen steht die Pixel-Shift-Technologie zur Verfügung, die durch Mehrfachaufnahmen die effektive Auflösung weiter erhöht.
Empfindliche, gebundene oder dreidimensionale Objekte können kontaktlos und damit besonders schonend digitalisiert werden.


Ein System für Kontinuität
In ein Reprostativ integriert und über Tethering in einen professionellen Digitalisierungsworkflow eingebunden, fungiert das System als vollwertige Digitalisierungslösung. Gleichzeitig bleibt es ein leistungsfähiges High-End-Kamerasystem für professionelle Fotografie und Videoproduktion.
Josef Koudelka hat wesentliche Teile seines fotografischen Werks mit analogen Kameras von Fujifilm geschaffen. Heute basiert die Digitalisierung seines Lebenswerks erneut auf Fujifilm Imaging-Technologie.
Die Josef Koudelka Foundation setzt das GFX-System als High-End-Digitalisierungslösung ein. Auflösung, Tonwertumfang und Farbgenauigkeit erfüllen die hohen Anforderungen an die originalgetreue Erfassung analoger fotografischer Materialien.
Diese Kontinuität – von der analogen Aufnahme bis zur digitalen Weiterführung – schafft eine durchgängige technologische Linie über Jahrzehnte hinweg. So wird Technologie nicht zum Selbstzweck, sondern zum Mittel, den Zugang zu Josef Koudelkas Werk langfristig zu sichern – und zukünftigen Generationen zu ermöglichen, weiterhin durch seine Bilder zu reisen.