Andy Mumford teilt seine Erfahrungen zu Ausrüstung, Technik und Bildgestaltung – und zeigt, wie du deine Fotografie durch Praxis und Experimentierfreude verbessern kannst.
Andy Mumford lebt im sonnigen Lissabon, doch seine Kamera hat ihn bereits in die entlegensten Winkel der Welt geführt. Als erfahrener Landschafts- und Reisefotograf teilt er seine Leidenschaft auch als Dozent und in Workshops, um angehende Kreative zu inspirieren.
„Viele Menschen finden zur Landschaftsfotografie aus zwei Gründen“, erklärt Andy. „Entweder, weil sie die Fotografie und Kameras faszinierend finden, oder – wie bei mir – weil sie die Natur und das Wandern lieben.“

„Schon als Kind war ich oft mit meinen Eltern campen und wir sind im Peak District gewandert. Ich war immer gern draußen. Für mich steht das Erlebnis im Vordergrund – also das Gefühl, das ein Ort in mir auslöst. Die Fotografie ist für mich eine Möglichkeit, dieses Gefühl einzufangen.“
Vom Experiment zum Erfolg

Andy gibt offen zu, dass seine ersten Versuche in der Landschaftsfotografie misslangen. Doch statt sich entmutigen zu lassen, packte ihn die Neugier: Was macht ein Foto besser als ein anderes?
„Als Kinder hatten wir im Urlaub immer eine Filmkamera dabei“, erzählt er. „Nach dem Entwickeln hieß es oft: Das ist gut geworden, das nicht. Aber ich habe nie gefragt, warum. Was bedeutet es, wenn ein Foto gut oder schlecht ist? Woran liegt das? Warum ist es unscharf oder überbelichtet?“
„Ich wollte verstehen, warum mir manche Fotos gefielen und andere nicht. Deshalb bin ich früh Fotografie-Communitys im Internet beigetreten. Dort habe ich schnell gelernt, worauf es bei guten Bildern ankommt, und entwickelte eine Leidenschaft dafür, meine Fähigkeiten stetig zu verbessern – sei es durch Langzeitbelichtungen, das Abpassen der goldenen Stunde oder ähnliche Techniken. Ich habe mir alles selbst beigebracht, angetrieben von meiner Liebe zur Natur.“
Diese Verbundenheit mit der Natur prägt Andys Fotografie: Für ihn geht es nicht nur darum, die Landschaft zu zeigen, sondern die Atmosphäre eines Ortes einzufangen. „Man fotografiert nicht einfach nur einen Ort“, sagt er nachdenklich. „Man versucht, das Gefühl festzuhalten, das dieser Ort in einem auslöst. Das ist das eigentliche Ziel eines jeden Fotos, besonders in der Landschaftsfotografie.“
Magie im Bild

„Ich strebe nicht nach technischer Perfektion“, sagt Andy. „Früher habe ich mich oft mit überbelichteten Lichtern oder ähnlichen Details beschäftigt. Doch mit der Zeit lernt man, dass Unvollkommenheiten zum Bild gehören können.
Er fährt fort: „Wenn ich eine Szene fotografiere, in der der Himmel wenig Struktur oder Dramatik bietet – wie oft in Namibia, wo der Himmel manchmal leer wirkt –, kann er schnell uninteressant wirken. In solchen Fällen überbelichte ich bewusst, um einen weichen, fast dunstigen Effekt zu erzeugen.“
Während Andy gern mit technischen Aspekten experimentiert, bleibt die Bildkomposition für ihn unverzichtbar. „Die Komposition muss harmonisch sein“, betont er. „Es gibt zwar viele Regeln, aber am Ende geht es darum, eine ausgewogene Szene zu schaffen. Die Elemente müssen zueinander passen.“
Ein entscheidender, wenn auch schwer fassbarer Faktor für ein großartiges Foto ist die Stimmung. „Der Unterschied zwischen einem guten und einem herausragenden Foto liegt in der Stimmung“, sagt Andy. „Dafür braucht es die richtigen Bedingungen – und manchmal auch ein bisschen Glück.“
Im Laufe der Zeit hat er gelernt, mit schlechtem Wetter und flachem Licht umzugehen, um Stimmung zu entdecken oder zu erzeugen – sei es durch Unterbelichtung oder Nachbearbeitung, um den Kontrast zu verstärken. „Stimmung macht aus einem guten Bild ein starkes Bild“, sagt er. „Sie ist so wichtig, dass selbst Menschen ohne technisches Wissen oder Interesse an Fotografie sie spüren und etwas aus dem Bild herauslesen können.“


Spontaneität nutzen

In der Landschaftsfotografie ist Planung entscheidend, sagt Andy: „Ich fotografiere oft mit einem Freund, der keine spontanen Aufnahmen mag. Er studiert stundenlang Wettervorhersagen und Google Earth. Er freut sich daran, zu erleben, wie alles genau so eintritt, wie er es vorausgesehen hat.“
Auch Andy plant seine Arbeit sorgfältig, doch in der Fotografie blüht er auf, wenn er Raum für das Unvorhergesehene lässt. „Oft taucht ein unerwartetes Element auf. Man ahnt zwar, wie das Licht wirken wird, doch manchmal beleuchtet es einen Teil der Szene, den man nicht vorhergesehen hat. Deshalb muss man flexibel bleiben und bereit sein, sich anzupassen.“
„Im Bild kann der Vordergrund oft nur wenige Meter entfernt sein, während das eigentliche Motiv kilometerweit weg liegt. Dazwischen kann viel passieren: Vielleicht bleibt der Vordergrund im Schatten, während der Hintergrund durch eine Wolkenlücke oder ein unerwartetes Ereignis plötzlich in hellem Licht erstrahlt.“
„In solchen Fällen nehme ich das Weitwinkelobjektiv ab und setze stattdessen das FUJINON XF70-300mmF4-5.6 R LM OIS WR ein. So kann ich den Vordergrund ausblenden, den Blick auf die ferne Landschaft lenken und die Komposition neu gestalten.“
„Viele meiner Bilder entstehen nach sorgfältiger Planung: Wir wählen den Standort, warten auf das richtige Licht und machen dann die Aufnahme. Doch selbst dann geht es oft darum, einen Vordergrund zu finden, der zum Hintergrund passt. Manchmal überrascht das Licht, und man denkt: Ja, das funktioniert.“

Andys Equipment für unterwegs
In einem Genre, das Fotografie mit langen Wanderungen verbindet, muss Andy seine Ausrüstung so auswählen, dass sie geringes Gewicht und optische Qualität optimal vereint
„Kameras und Objektive sind heute deutlich besser als vor 15 bis 20 Jahren, als ich angefangen habe“, sagt er. „Wir können uns glücklich schätzen. Die besten Objektive sind oft schwerer, daher verwende ich die GFX Serie nur, wenn ich höchste Qualität benötige. Wenn es mir um Leichtigkeit geht, greife ich zur FUJIFILM X-T5. Auch die günstigeren Fujifilm-Objektive – nicht nur die Spitzenmodelle – erfüllen meine Ansprüche vollkommen. Meistens nehme ich nicht die schärfsten Festbrennweiten oder lichtstärksten Zooms mit, sondern Objektive, die besonders leicht sind.“

„Ein Weitwinkelzoom habe ich immer dabei, zum Beispiel das FUJINON XF10-24mmF4 R OIS WR. Dazu nehme ich ein Telezoom mit, etwa das XF70-300mmF4-5.6 R LM OIS WR. Für den Bereich dazwischen verwende ich ein Standardzoom, das FUJINON XF16-50mmF2.8-4.8 R LM WR. Es überzeugt durch hervorragende Leistung und wiegt nur 240 Gramm. Zusammen mit dem XF70-300mmF4-5.6, das lediglich 580 Gramm wiegt, ergibt sich eine leichte Ausrüstung mit beeindruckender Reichweite.“
„Ich lege keinen Wert darauf, immer die schärfsten Objektive zu verwenden. Wäre das mein Ziel, kämen Modelle wie das FUJINON XF50-140mmF2.8 R LM OIS WR, das XF16-55mmF2.8 R LM WR II oder das XF8-16mmF2.8 R LM WR zum Einsatz. Diese Objektive mit durchgehender Blende von F2.8 liefern außergewöhnliche Ergebnisse, sind jedoch deutlich schwerer.
„Die meisten Menschen würden den minimalen Unterschied in der Schärfe meiner Bilder kaum wahrnehmen. Vielleicht fiele er mir selbst auf, wenn ich auf die 100-Prozent-Ansicht zoome. Doch weder bei den Fine-Art-Prints, die ich verkaufe, noch bei den Bildern für Online-Kampagnen ist der Unterschied zu erkennen.“

Tipps für bessere Bilder

Die richtige Ausrüstung für einen Auftrag ist wichtig, doch Andy betont, dass angehende Landschaftsfotografen sich zunächst nicht darauf konzentrieren sollten. „Verliere dich nicht in technischen Details“, rät er. „Arbeite lieber daran, besser in der Fotografie zu werden. Der Golfer Gary Player sagte einmal: ,Je mehr ich trainiere, desto mehr Glück habe ich.‘ Je öfter du hinausgehst, desto eher findest du Orte, an denen großartige Fotos entstehen können. Und dafür musst du nicht weit reisen“, ergänzt Andy.
Vieles, was er gelernt hat, verdankt er Aufnahmen an der Küste bei Lissabon, nur eine gute Dreiviertelstunde von seinem Zuhause entfernt. „Die meisten Menschen wohnen in der Nähe irgendeiner Form von Natur. Entscheidend ist, zu Zeiten draußen zu sein, die unbequem sind. Früh aufzustehen, um den Sonnenaufgang zu erleben, ist anstrengend. Beim Sonnenuntergang draußen zu bleiben, kann bedeuten, spät zu essen. Doch es lohnt sich, die eigene Komfortzone zu verlassen.“
Um sich zu verbessern, reicht es jedoch nicht aus, einfach nur Fotos zu machen. Die Reflexion über die eigene Arbeit ist ein entscheidender Teil des Prozesses, erklärt Andy. „Man muss auch kritisch hinterfragen, was kompositorisch wirkt. Mit modernen Kameras lassen sich Belichtung und Fokus leicht beherrschen. Die Komposition hingegen ist unglaublich komplex.“
Für Andy ist die Komposition das Schwierigste, was man erklären kann. „Es ist, als wollte man jemandem vermitteln, warum eine bestimmte Abfolge von Noten eine schöne Melodie ergibt“, sagt er. „Vertauscht man die Noten, klingt es falsch. Das ist etwas, das wir fast intuitiv spüren. Warum wirken bestimmte Formen ansprechend? Warum wirkt ein einzelner Baum eindrucksvoller als fünf Bäume? Man muss üben und seine Fotos immer wieder betrachten, um zu verstehen, was funktioniert und was nicht.“